Donnerstag, 10. Oktober 2013

Prioritäten richtig setzen, Lektion 1:

Ich war heute im Museo Egizio, dem zweitgrößten Museum ägyptischer Kunst und Kultur nach dem in Kairo. Darüber sollte ich jetzt wahrscheinlich ausführlich schreiben. Jedoch ereignete sich auf meinem Nachhauseweg auch etwas Berichtenswertes: Ich bin zum ersten Mal in die Eisdiele gegangen, die nur drei Gehminuten von meiner Wohnung entfernt ist, und was habe ich da bekommen?


RICHTIG. Eine Stempelkarte. Das elfte Eis ist gratis. Das heißt also, nächste Woche krieg ich Gratiseis. ;) Lustigerweise gibt es das Ganze auch noch je Kilo Eis. Ich erwähne das ja hier nur der Vollständigkeit halber...

(Und damit man mir jetzt auch glaubt, dass ich wirklich im Museo Egizio war, hier noch ein Bild von den Fragmenten eines bemalten Leinentuchs, wahrscheinlich aus der Zeit um 3500 v. Chr. (ja, wirklich). Ich fasse es ja nicht so ganz, dass es 5000 Jahre überstanden hat, einfach unglaublich.)


Mittwoch, 2. Oktober 2013

Torino, penso che io sia innamorata di te.

Was für eine wunderschöne Stadt. So sieht es also aus. Endlich, endlich angekommen im Bestimmungsort, endlich das (ah, teure) Zimmer bezogen, endlich den Koffer ausgepackt und die Sachen in den Schränken verstaut, nachdem das gute Stück mir durch halb Italien so gute Dienste geleistet hat.


Hier in Torino angekommen bin ich eigentlich schon Sonntag Nachmittag nach 6+ Stunden in italienischen Zügen (was erstaunlich reibungslos geklappt hat, muss man jetzt mal anerkennen). Da ich mein Zimmer noch nicht übernehmen konnte, zog ich erstmal in ein Hostel in Turin. 10 Minuten zu Fuß von einem der Hauptbahnhöfe (Porta Nuova) entfernt. Sonntag war alles grau und regnerisch, und San Salvario, in dem das Hostel liegt, besteht aus unzähligen Bars mit dem dazugehörigen Straßengeruch; der Wein muss ja irgendwohin, nicht wahr. Das Hostel selbst war jedoch spitze. Tomato Backpackers Hotel, für alle, die sich das mitschreiben wollen.




Ich hatte ein schönes, kleines Einzelzimmer, sehr sauber, mit Blick in den hübschen Innenhof. Die beiden Jungs der Rezeption waren sehr freundlich, immer gut gelaunt, hilfsbereit, und es gab ein riesengroßes Regal mit Büchern – was will man mehr? Nachdem ich alles verstaut hatte, schnappte ich mir meine Kamera und ging auf eine erste Erkundungstour. (Um ehrlich zu sein, wollte ich erstmal einen Supermarkt finden. Dies gelang jedoch nicht und so bestand mein Abendbrot eigentlich nur aus Leitungswasser und der Fazer Schokolade, die ich von meiner finnischen Mitbewohnerin aus Siena mitbekommen hatte. (<3)) Aber ich sah den Po. Das heißt, ich ging ein Stück durch den Parco del Valentino, wurde vom Geruch von nassem Laub und dem Anblick von Kastanien begrüßt, und fühlte mich sofort wie zuhaus. Und dann sah ich den Po. (Anm. d. Red.: Ich liebe es, diesen Satz zu schreiben.) Wie gesagt, das Wetter war bis jetzt eher mittelprächtig, und am Sonntag regnete es dann in Strömen, deshalb sind die Bilder alle sehr grau. Ihr müsst mir einfach glauben, dass die Stadt wunderschön ist, und ich, so glaube ich, mein Herz an sie schon ein wenig verloren habe.







Montag war dann ein sehr langer Tag mit Anmeldung an der Uni, Infoveranstaltung, Gang ins Turiner Bürgeramt (ah ja, die Bürokratie) um mir eine italienische Steuernummer zu holen plus ein Fahrticket. Letzteres war übrigens das falsche, so dass ich gestern 3 (in Worten: drei) Stunden im Büro der Turiner Verkehrsbetriebe zubrachte (07:45 – 11:00), um diese umzutauschen. Jetzt habe ich eine hochprofessionelle Nahverkehrskarte, mit Chip und so, für alte Leute. Denn mit 27 entfällt für mich sämtlicher Anspruch auf etwaige Vergünstigungen als Student. Danke auch dafür. Dafür ist sie vier Jahre gültig, bis ich noch ein wenig älter bin...


Am Montag schrieb ich mich auch für einen Italienischsprachkurs der Uni ein. Im Palazzo Nuovo. Oder, übersetzt, der neue Palast. Das Gebäude erinnerte mich an alte DDR-Gebäude, russisch-funktional, jedoch komplett runtergerissen, und mein Highlight waren die Toiletten (Tipp: es gibt Löcher im Boden, und, wenn ich das richtig gesehen habe, zwei Toilettenaufgänge – einen für Männer, 20m weiter einen für Frauen – die beide im selben Waschraum enden). Ja. Sagen wir mal so, ich bin sehr froh, dass sich meine Fakultät in einem wunderschönen alten Gebäude mit Innenhof in der Via Verdi befindet, und dass ich den Palazzo Nuovo nur für die Sprachkurse besuchen werde, bei welchen ich meine Flüssigkeitskonsum einschränken werde...


Gestern war dann Sachen packen und die Wohnung suchen angesagt. Die Sätze der Wohnungsvermittlerin, dass sie mir nicht sagen könne, ob ich schon früher einziehen könne, weil meine Vormieterin noch hier wohne und die Mädchen der Wohnung noch nicht wüssten, wie der Zeitplan ist, stellte sich übrigens als Vera....e heraus, denn meine Mitbewohnerin lebte in dem Doppelzimmer seit Wochen alleine und wusste nicht mal, dass sie eine neue Mitbewohnerin bekommt. Ich sage dazu mal nichts. Aber Mara (so der Name meiner ital. Zimmergenossin) ist sehr lustig, wir haben schon viel Spaß gehabt, und auch die anderen beiden (eine weitere Italienerin plus eine englische Austauschstudentin) sind sehr nett. Nur, dass das mit der italienischen Kommunikation noch nicht so richtig funktioniert und ich gerade dezent Panik vor dem Unibeginn habe, denn reden kann ich nicht. Selbst zuhören ist mitunter nicht möglich. Oh Mann...



Heute war dann eine Tour durch Turin mit den Erasmustutoren (nun ja, einem von ihnen) angesagt, und hier in der Stadt ist mächtig was los aufgrund des heutigen Champions League Spieles. Natürlich hatte ich sämtliche Sachen in der Wohnung vergessen, so dass ich euch noch keine Bilder zeigen kann, aber das wird noch, das wird noch. Ein wenig bin ich ja noch hier. Und dann werde ich euch mit Bildern von Turiner Gebäuden zukleistern, denn diese Stadt ist schön. Diese Stadt ist wunderschön, und ich kann es kaum erwarten, sie zu erkunden. Das Ägyptische Museum ist das zweitgrößte nach Kairo, die Bibliothek ist groß und ruft meinen Namen, die Mole und die umliegenden Berge warten nur auf mich und auf eine Besserung des Wetters, das Kinomuseum ist fünfzehn Minuten von mir entfernt, es gibt Büchermärkte, es gibt Kaffeebars ohne Ende, ich muss die Busse und Straßenbahnen benutzen (mit der Metro bin ich schon gefahren, denn Metros sind überall und immer ein Favorit von mir, und die von Turin ist höchstmodern (ohne Fahrer) und neu), und ich war noch nicht richtig essen hier, und ich habe noch keinen höchst Turintypischen Aperitivo genossen, und und und und und. Achja, studieren soll ich ja auch noch. Wir werden sehen. ;)



Oh, Nachtrag: Eben erwähnter Ausflug mit dem Erasmustutor führte uns in einen der Parks wo wir uns hinsetzten und redeten, und als ich wieder aufstand, fand ich bei meinen Füßen zwei klitzekleine Würfel. Glücksbringer, ja oder ja?