Was für eine wunderschöne Stadt. So sieht es also aus. Endlich,
endlich angekommen im Bestimmungsort, endlich das (ah, teure) Zimmer
bezogen,
endlich den Koffer ausgepackt und die
Sachen in den Schränken verstaut, nachdem das gute Stück mir durch
halb Italien so gute Dienste geleistet hat.
Hier in Torino angekommen bin ich eigentlich schon Sonntag
Nachmittag nach 6+ Stunden in italienischen Zügen (was erstaunlich
reibungslos geklappt hat, muss man jetzt mal anerkennen). Da ich mein
Zimmer noch nicht übernehmen konnte, zog ich erstmal in ein Hostel
in Turin. 10 Minuten zu Fuß von einem der Hauptbahnhöfe (Porta
Nuova) entfernt. Sonntag war alles grau und regnerisch, und San
Salvario, in dem das Hostel liegt, besteht aus unzähligen Bars mit
dem dazugehörigen Straßengeruch; der Wein muss ja irgendwohin,
nicht wahr. Das Hostel selbst war jedoch spitze. Tomato Backpackers
Hotel, für alle, die sich das mitschreiben wollen.


Ich hatte ein
schönes, kleines Einzelzimmer, sehr sauber, mit Blick in den hübschen Innenhof. Die beiden Jungs der
Rezeption waren sehr freundlich, immer gut gelaunt, hilfsbereit, und
es gab ein riesengroßes Regal mit Büchern – was will man mehr?
Nachdem ich alles verstaut hatte, schnappte ich mir meine Kamera und
ging auf eine erste Erkundungstour. (Um ehrlich zu sein, wollte ich
erstmal einen Supermarkt finden. Dies gelang jedoch nicht und so
bestand mein Abendbrot eigentlich nur aus Leitungswasser und der
Fazer Schokolade, die ich von meiner finnischen Mitbewohnerin aus
Siena mitbekommen hatte. (<3)) Aber ich sah den Po. Das heißt,
ich ging ein Stück durch den Parco del Valentino, wurde vom Geruch
von nassem Laub und dem Anblick von Kastanien begrüßt, und fühlte
mich sofort wie zuhaus. Und dann sah ich den Po. (
Anm. d.
Red.: Ich liebe es, diesen Satz zu schreiben.) Wie gesagt,
das Wetter war bis jetzt eher mittelprächtig, und am Sonntag regnete
es dann in Strömen, deshalb sind die Bilder alle sehr grau. Ihr
müsst mir einfach glauben, dass die Stadt wunderschön ist, und ich,
so glaube ich, mein Herz an sie schon ein wenig verloren habe.
Montag war dann ein sehr langer Tag mit Anmeldung an der Uni,
Infoveranstaltung, Gang ins Turiner Bürgeramt (ah ja, die
Bürokratie) um mir eine italienische Steuernummer zu holen plus ein
Fahrticket. Letzteres war übrigens das falsche, so dass ich gestern
3 (in Worten: drei) Stunden im Büro der Turiner Verkehrsbetriebe
zubrachte (07:45 – 11:00), um diese umzutauschen. Jetzt habe ich
eine hochprofessionelle Nahverkehrskarte, mit Chip und so, für alte
Leute. Denn mit 27 entfällt für mich sämtlicher Anspruch auf
etwaige Vergünstigungen als Student. Danke auch dafür. Dafür ist
sie vier Jahre gültig, bis ich noch ein wenig älter bin...
Am Montag schrieb ich mich auch für einen Italienischsprachkurs
der Uni ein. Im Palazzo Nuovo. Oder, übersetzt, der neue Palast. Das
Gebäude erinnerte mich an alte DDR-Gebäude, russisch-funktional,
jedoch komplett runtergerissen, und mein Highlight waren die
Toiletten (Tipp: es gibt Löcher im Boden, und, wenn ich das richtig
gesehen habe, zwei Toilettenaufgänge – einen für Männer, 20m
weiter einen für Frauen – die beide im selben Waschraum enden).
Ja. Sagen wir mal so, ich bin sehr froh, dass sich meine Fakultät in
einem wunderschönen alten Gebäude mit Innenhof in der Via Verdi
befindet, und dass ich den Palazzo Nuovo nur für die Sprachkurse
besuchen werde, bei welchen ich meine Flüssigkeitskonsum
einschränken werde...
Gestern war dann Sachen packen und die Wohnung suchen angesagt.
Die Sätze der Wohnungsvermittlerin, dass sie mir nicht sagen könne,
ob ich schon früher einziehen könne, weil meine Vormieterin noch
hier wohne und die Mädchen der Wohnung noch nicht wüssten, wie der
Zeitplan ist, stellte sich übrigens als Vera....e heraus, denn meine
Mitbewohnerin lebte in dem Doppelzimmer seit Wochen alleine und
wusste nicht mal, dass sie eine neue Mitbewohnerin bekommt. Ich sage
dazu mal nichts. Aber Mara (so der Name meiner ital. Zimmergenossin)
ist sehr lustig, wir haben schon viel Spaß gehabt, und auch die
anderen beiden (eine weitere Italienerin plus eine englische
Austauschstudentin) sind sehr nett. Nur, dass das mit der
italienischen Kommunikation noch nicht so richtig funktioniert und ich gerade dezent Panik vor dem Unibeginn habe, denn reden kann ich nicht. Selbst zuhören ist mitunter nicht möglich. Oh Mann...
Heute war dann eine Tour durch Turin mit den Erasmustutoren (nun
ja, einem von ihnen) angesagt, und hier in der Stadt ist mächtig was
los aufgrund des heutigen Champions League Spieles. Natürlich hatte
ich sämtliche Sachen in der Wohnung vergessen, so dass ich euch noch
keine Bilder zeigen kann, aber das wird noch, das wird noch. Ein
wenig bin ich ja noch hier. Und dann werde ich euch mit Bildern von
Turiner Gebäuden zukleistern, denn diese Stadt ist schön. Diese
Stadt ist wunderschön, und ich kann es kaum erwarten, sie zu
erkunden. Das Ägyptische Museum ist das zweitgrößte nach Kairo,
die Bibliothek ist groß und ruft meinen Namen, die Mole und die
umliegenden Berge warten nur auf mich und auf eine Besserung des
Wetters, das Kinomuseum ist fünfzehn Minuten von mir entfernt, es
gibt Büchermärkte, es gibt Kaffeebars ohne Ende, ich muss die Busse
und Straßenbahnen benutzen (mit der Metro bin ich schon gefahren,
denn Metros sind überall und immer ein Favorit von mir, und die von
Turin ist höchstmodern (ohne Fahrer) und neu), und ich war noch
nicht richtig essen hier, und ich habe noch keinen höchst
Turintypischen Aperitivo genossen, und und und und und. Achja,
studieren soll ich ja auch noch. Wir werden sehen. ;)

Oh, Nachtrag: Eben erwähnter Ausflug mit dem Erasmustutor führte uns in einen der Parks wo wir uns hinsetzten und redeten, und als ich wieder aufstand, fand ich bei meinen Füßen zwei klitzekleine Würfel. Glücksbringer, ja oder ja?